Snapchat – oder die neue Art zu bloggen

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Verglichen mit Leuten wie Sixtus, Don Dahlmann, Nico oder Wolfgang blogge ich selbst noch nicht so lange, aber inzwischen gibt es meine Seite schon seit über 10 Jahren. Irgendwann gab es eine kleine Szene der „bloggenden PR-Berater“ die mehr oder weniger interessante Dinge ins Netz schrieben. Irgendwann habe ich damit aufgehört, weil mir die Zeit fehlte, und dann fehlte mir die Muße – ist es das wirklich wert, mir dazu drei Absätze aus den Fingern zu saugen? So geht es mir mittlerweile auch bei Facebook – nicht jeder Gedankenerguss ist die Pixel wert, und wenn ich mir über Timehop den Quatsch angucke, den ich früher zum Teil als Tweet verfasst habe wird mir ganz übel.

Einige wenige Blogger von damals sind noch dabei oder reaktivieren ihr Blog und bemühen sich, aktuelle Themen zu bearbeiten. Das Problem ist, allerdings, dass sich die Landschaft verändert hat. Gegen Fashionblogger, Techblogger und coole Kids mit Zeit und Ambitionen kommt man einfach nicht an. Gleichzeitig ist die PR-/Kommunikationsblase noch kleiner geworden. Deshalb ist der tatsächliche Gehalt eines Blogpostings essentiell.

Ach ja, ich wollte über Snapchat schreiben, nachdem Olaf letzte Woche eine nette Zusammenfassung gepostet hatte, nachdem Sachar Snapchat in seinen Trends 2016 erwähnte, nachdem sich Djure darüber aufregt, dass die Diskussion nicht zielführend genug sei, nachdem ich über Fallen und tollpatschige Versuche gelesen habe, und nachdem ich mehrere schlechte Vorträge über Snapchat gehört habe.

Niemanden wird überraschen, wenn ich sage: „you’re doin‘ it all wrong“, aber keine Sorge, ich werde etwas ausholen. Snapchat ist kein Videoblog. Snapchat ist nicht yet another channel, Snapchat ist nicht für jedermann. Daraus machen viele scheinbar „Snapchat ist schwierig“ und „Snapchat ist doof“.

Möchtest du jemandem zugucken, wie er Fußball guckt und das kommentiert? Vielleicht. Wie sieht es mit der Expertise der Person aus? Was sind seine Gesprächsthemen? Ist er witzig? Möchtest Du einem Medienhaus zugucken, wie die normalen Nachrichten vorgelesen werden oder mit lockerem Layout hübscher sind? Vielleicht. Lädt das schneller, als die normale Webseite? Gibt es Rich Content, der mir Mehrwert bietet?

Aber vielleicht stellt ihr euch auch einfach mal selbst die Frage, was für Momente sinnvoll sind? Warum guckt ihr euch die Snaps oder Stories einiger Menschen an, und die von anderen nicht? Und wenn zum Beispiel klar ist, dass ich Marcus‘ Stories anschaue, weil ich ihn unglaublich komisch finde oder John Mayer, weil ich mir Einblicke in sein Leben als Musiker erhoffe, dann ist auch logisch, dass es absolut sinnlos ist, mein eigenes Leben zu snappen, weil es einfach null interessant ist.

Die Aufgabe für die Kommunikationsberater in der Blase besteht also darin, zu überprüfen, was ihre Brands einzigartig macht, was für Snapchat-Gucker ein „Erlebnis“ wäre, ein Micro Moment. Und den entsprechend zielgruppengerecht zu produzieren. Es muss nicht immer gleich die Aufnahme in den „Discover“-Bereich sein. Im Übrigen, liebe Kollegen die sich an der jungen Zielgruppe zu sehr festhalten – „wir haben uns aufgrund des mangelnden zielgruppenfit gegen Snapchat entschieden“ ist eine durchaus valide Argumentation. Und eine, die deutlich besser klingt als, „Snapchat ist zu konfus“.
Statt über UI und „keiner antwortet“ zu lamentieren bitte folgende Fragen stellen:

  • Hat meine Marke Snap-gerechte Geschichten und trau ich mich die Snap-gerecht zu erzählen?
  • Finden sich überhaupt Menschen auf Snapchat, die sich dafür interessieren?
  • Habe ich einen entsprechenden Erzähler?

Und nächste Woche verraten wir dann die Auflösung des Knotens, sprich wie kriege ich Leute dazu, mich zu adden…

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